Terrassendach & Wintergarten Köln Geprüfte Fachbetriebe · Nachweis statt Werbung

7 Min. Lesezeit · Stand 27.10.2026

Baugenehmigung für Terrassenüberdachung & Wintergarten in NRW und Köln (§ 62 BauO NRW)

Wann sind Terrassenüberdachungen (bis 30 m² und 4,50 m Tiefe) und unbeheizte Wintergärten (bis 30 m², mit 3 m Grenzabstand) in Nordrhein-Westfalen verfahrensfrei, und wann fordert das Bauaufsichtsamt der Stadt Köln trotzdem einen Bauantrag oder eine Baulast?

Das Wichtigste in Kürze

  • Terrassenüberdachungen sind nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 g) BauO NRW bis 30 m² Fläche und 4,50 m Tiefe verfahrensfrei. Für unbeheizte Wintergärten gilt eine eigene Regel: bis 30 m² Brutto-Grundfläche, nur an Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 und nur mit mindestens 3 m Abstand zur Nachbargrenze, ohne Tiefengrenze.
  • Beheizte Wohnwintergärten gelten als Aufenthaltsräume, unterliegen dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und benötigen in NRW immer eine Baugenehmigung.
  • Verfahrensfreiheit befreit nicht vom materiellen Baurecht (§ 62 Abs. 2 BauO NRW): Der Mindestabstand von 3,00 m zur Nachbargrenze (§ 6 BauO NRW) und örtliche Bebauungspläne müssen zwingend eingehalten werden.
  • Am Reihen- oder Doppelhaus (unter 3 m zur Grenze) braucht ein Wintergarten einen Bauantrag. Ein Terrassendach bleibt verfahrensfrei, braucht an der Grenze aber in der Regel Nachbarzustimmung mit Abstandsflächen-Baulast (§ 85 BauO NRW) oder eine Abweichung (§ 69 BauO NRW).

1. Die Grundregeln in § 62 Abs. 1 BauO NRW: Terrassendach und Wintergarten

Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018) zählt in § 62 Abs. 1 die Vorhaben auf, die ohne Baugenehmigung errichtet werden dürfen. Terrassenüberdachungen und Wintergärten stehen dort als zwei getrennte Fälle mit unterschiedlichen Grenzen.

Terrassenüberdachungen sind bis zu einer Fläche von 30 m² und einer Tiefe von 4,50 m verfahrensfrei (§ 62 Abs. 1 Nr. 1 g). Beide Grenzwerte gelten gleichzeitig: Ein Dach mit 5,00 m Breite und 5,00 m Tiefe hat zwar nur 25 m², überschreitet aber die zulässige Tiefe und braucht einen Bauantrag.

Unbeheizte Wintergärten sind bis 30 m² Brutto-Grundfläche verfahrensfrei, aber nur an Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 (etwa Ein- und Zweifamilienhäuser) und nur mit mindestens 3 m Abstand zur Nachbargrenze. Eine Tiefengrenze gibt es hier nicht. Gemeint ist ein verglaster, unbeheizter Anbau, der die Gebäudehülle nicht erweitert. So beschreiben es die Merkblätter der Bauaufsicht etwa der Städte Unna und Kaarst.

Bauvorhaben in Köln / NRWGrundflächeTiefe (Ausladung)GrenzabstandStatus nach BauO NRW
Offene Terrassenüberdachung (Alu/Holz/Glas)bis 30 m²bis 4,50 mAbstandsflächen beachtenVerfahrensfrei (§ 62 Abs. 1 Nr. 1 g) BauO NRW)
Unbeheizter Kaltwintergarten mit Schiebewändenbis 30 m² Brutto-Grundflächekeine Grenzemind. 3,00 m (Bedingung)Verfahrensfrei (§ 62 Abs. 1 BauO NRW), nur Gebäudeklasse 1 bis 3
Bioklimatisches Lamellendach (am Haus, Seiten offen)bis 30 m²bis 4,50 mAbstandsflächen beachtenVerfahrensfrei als Terrassenüberdachung
Terrassendach am Reihenhausbis 30 m²bis 4,50 munter 3,00 mVerfahrensfrei, aber Abstandsflächen: Nachbarzustimmung mit Baulast oder Abweichung (§§ 6, 69, 85 BauO NRW)
Kaltwintergarten am Reihenhausbis 30 m²beliebigunter 3,00 mBaugenehmigungspflichtig
Großes Terrassendach (z. B. 7,00 × 4,50 m)über 30 m²oder über 4,50 mbeliebigBaugenehmigungspflichtig (vereinfachtes Verfahren)
Beheizter Wohnwintergartenjede Größejede TiefebeliebigImmer baugenehmigungspflichtig + Wärmeschutznachweis (GEG)

Praxis-Tipp für Köln & Region

Messen Sie die Tiefe eines Terrassendachs von der Außenkante der Hauswand bis zur Vorderkante der Regenrinne, einschließlich Dachüberstand. Schon 20 cm über 4,50 m kosten die Verfahrensfreiheit. Beim Wintergarten zählt stattdessen die Brutto-Grundfläche.

2. Kaltwintergarten (Sommergarten) vs. beheizter Wohnwintergarten

Das nordrhein-westfälische Baurecht zieht die Grenze zwischen verfahrensfreien und genehmigungspflichtigen Wintergärten entlang der Beheizung und der thermischen Trennung zum Haupthaus. Ein Kaltwintergarten (auch Sommergarten oder Glashaus genannt) besteht aus einer ungedämmten Aluminium- oder Holzkonstruktion mit seitlichen Ganzglas-Schiebewänden. Die bestehende Terrassentür und Außenwand bleiben als thermische Gebäudehülle vollständig erhalten.

Sobald der Anbau jedoch aktiv über die Hausheizung, eine Fußbodenheizung oder eine fest installierte Wärmepumpe beheizt wird oder die Trennwand zum Wohnzimmer entfällt, entsteht ein Aufenthaltsraum im Sinne des § 47 BauO NRW sowie eine Erweiterung der beheizten Gebäudehülle nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Für einen solchen Wohnwintergarten ist beim Bauaufsichtsamt der Stadt Köln stets ein vollständiger Bauantrag durch eine bauvorlageberechtigte Person (Architektin, Architekt oder bauvorlageberechtigter Ingenieur) einzureichen.

3. Die häufigste Falle: Verfahrensfrei heißt nicht regelfrei (§ 6 BauO NRW & Bebauungsplan)

Nach § 62 Abs. 2 BauO NRW entbindet die Verfahrensfreiheit ausdrücklich nicht von der Verpflichtung zur Einhaltung sämtlicher öffentlich-rechtlicher Vorschriften. Das Bauaufsichtsamt prüft diese Punkte zwar nicht vorab in einem Genehmigungsverfahren, kann aber bei Verstößen nachträglich den Rückbau anordnen.

Zwei Vorschriften sind in Köln besonders kritisch: Erstens das Abstandsflächenrecht nach § 6 Abs. 5 BauO NRW, wonach grundsätzlich ein Mindestabstand von 3,00 m zur Nachbargrenze einzuhalten ist; an der Grenze ist eine Überdachung nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Zweitens die Festsetzungen des örtlichen Bebauungsplans (einsehbar im digitalen Planungssystem der Stadt Köln): Liegt die geplante Überdachung außerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche (Baugrenze / Baufenster) oder ist die zulässige Grundflächenzahl (GRZ) bereits ausgeschöpft, muss vor Baubeginn ein isolierter Befreiungsantrag nach § 31 Abs. 2 BauGB gestellt werden.

  • Bebauungsplan der Stadt Köln vorab online prüfen: Liegt die Terrasse innerhalb oder außerhalb der Baugrenzen?
  • Grenzabstand messen: Bleiben links und rechts mindestens 3,00 m Abstand zum Nachbargrundstück?
  • Gestaltungssatzungen und Denkmalschutz prüfen: In denkmalgeschützten Siedlungen (z. B. Teilen von Riehl, Nippes, Marienburg oder Margarethenhöhe) ist zusätzlich eine denkmalrechtliche Erlaubnis nach § 9 DSchG NRW erforderlich.

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Häufige Fragen

Darf ich ein verfahrensfreies Terrassendach später nachträglich mit Glasschiebewänden schließen?

Dann wird aus dem Terrassendach baurechtlich ein Wintergarten, und es gelten dessen Regeln: höchstens 30 m² Brutto-Grundfläche, unbeheizt, Gebäudeklasse 1 bis 3 und mindestens 3 m Abstand zur Nachbargrenze. Am Reihen- oder Doppelhaus mit weniger Abstand ist für das Schließen der Seiten deshalb ein Bauantrag nötig.

Was kostet ein Bauantrag für einen Wintergarten oder ein großes Terrassendach in Köln?

Für das Erstellen der Bauvorlagen (Lageplan, Bauzeichnungen, Baubeschreibung) und die prüffähige Statik berechnen Architekten oder Fachbetriebe meist zwischen 900 € und 2.200 €. Hinzu kommt die Verwaltungsgebühr des Bauaufsichtsamts der Stadt Köln nach der Allgemeinen Verwaltungsgebührenordnung NRW (je nach Rohbauwert meist 200 € bis 650 €).

Quellen & Rechtsgrundlagen