7 Min. Lesezeit · Stand 25.10.2026
VSG-Glas oder Polycarbonat, Schneelastzone Köln & Hitzeschutz (Aufdach- vs. Unterglasmarkise)
8 mm oder 10 mm Verbundsicherheitsglas (VSG) oder 16 mm Polycarbonat-Stegplatten? Was DIN 18008-2 und die Schneelastzonen in Köln und dem Bergischen Land vorschreiben – und welche Beschattung den Treibhauseffekt verhindert.
Das Wichtigste in Kürze
- Für Überkopfverglasungen schreibt DIN 18008-2 zwingend Verbundsicherheitsglas (VSG mit reißfester PVB-Folie) vor, damit bei Glasbruch keine Splitter herabfallen.
- Das Kölner Stadtgebiet liegt in Schneelastzone 1 (sk = 0,65 kN/m²); schon wenige Kilometer östlich im Bergischen Land (Overath, Rösrath-Hoffnungsthal, Kürten) oder in der Eifel gilt Schneelastzone 2 mit deutlich höheren Anforderungen an Sparren und Glasstärke (mind. 10 mm VSG).
- VSG-Glas ist dauerhaft kratzfest, klar durchsichtig und bei Regen rund doppelt so leise wie hohle Polycarbonat-Stegplatten.
- Unter einem unbeschatteten Glasdach stauen sich im Kölner Sommer schnell 45 °C: Aufdachmarkisen fangen die Wärmestrahlung vor der Scheibe ab, während Unterglasmarkisen besser vor Wind und Schmutz geschützt sind.
1. Verbundsicherheitsglas (VSG 8 mm / 10 mm) vs. 16 mm Polycarbonat-Stegplatten
Bei der Dacheindeckung einer Terrassenüberdachung stehen sich zwei Werkstoffe gegenüber: Verbundsicherheitsglas (VSG, bestehend aus zwei 4 mm oder 5 mm starken Einzelscheiben mit dazwischenliegender, reißfester Folie – bezeichnet als VSG 44.2 bzw. 55.2) und 16 mm starke Hohlkammer-Stegplatten aus Polycarbonat.
Während Polycarbonat vor allem durch sein geringes Eigengewicht (ca. 2,8 kg/m² gegenüber 20–25 kg/m² bei VSG) und den um rund 20–25 % günstigeren Einstiegspreis punktet, wählen bei Kölner Fachbetrieben heute über 80 % der Bauherren Verbundsicherheitsglas:
| Kriterium | 8 mm / 10 mm VSG-Sicherheitsglas | 16 mm Polycarbonat-Stegplatten |
|---|---|---|
| Durchsicht & Licht | Freier Blick in den Himmel (klar) oder blendfrei (matt/Milchglas) | Keine klare Durchsicht (Kammerstruktur streut das Licht) |
| Geräusch bei Starkregen & Hagel | Gedämpftes, ruhiges Geräusch dank hoher Masse (20–25 kg/m²) | Deutlich lauteres Trommeln auf den Hohlkammern |
| Lebensdauer & Oberfläche | 30+ Jahre unverändert glatt, kratzfest, kein Vergilben | Nach 10–15 Jahren oft leichte Eintrübung oder Moos an den Schnittkanten |
| Brandschutz an Reihenhaus-Grenze | Nichtbrennbar (Baustoffklasse A) – ideal für § 30 / § 32 BauO NRW | Normal- oder schwerentflammbarer Kunststoff (Baustoffklasse B1/B2) |
| Gewicht & Statik | ca. 20 kg/m² (8 mm) bzw. 25 kg/m² (10 mm) | ca. 2,8 kg/m² (vorteilhaft bei sehr schwachem Bestandstragwerk) |
2. Schneelastzonen in Köln, Rhein-Erft und dem Bergischen Land (DIN EN 1991-1-3/NA)
Jede Terrassenüberdachung und jeder Wintergarten muss nach Eurocode 1 (DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang) für die am genauen Aufstellort geltende Schneelast und Windlast bemessen sein. Das Kölner Stadtgebiet (Geländehöhe ca. 38 bis 118 m ü. NHN) sowie die Rheinschiene (Leverkusen, Dormagen, Frechen, Hürth, Brühl, Troisdorf, Bonn) liegen in Schneelastzone 1 mit einer charakteristischen Bodenschneelast von sk = 0,65 kN/m² (rund 65 kg pro Quadratmeter).
Steigt das Gelände jedoch Richtung Bergisches Land (z. B. östliches Bergisch Gladbach, Odenthal, Overath, Kürten, Wermelskirchen) oder Richtung Voreifel/Eifel (Bad Münstereifel, Euskirchen-Höhenlagen) auf 150 bis 300 m ü. NHN an, wechseln viele Gemarkungen in Schneelastzone 2 (sk ≥ 0,85 kN/m², mit Höhenzuschlag oft über 1,10 kN/m²). Zudem muss bei Häusern, bei denen Schnee vom höheren Hausdach auf das darunterliegende Terrassendach abrutschen kann, nach DIN EN 1991-1-3 eine erhöhte Schneesack-Last eingerechnet werden.
Praxis-Tipp für Köln & Region
Lassen Sie sich im Angebot immer schriftlich bestätigen, für welche Schneelast (in kN/m² oder kg/m²) und welche VSG-Glasstärke (8 mm vs. 10 mm) Ihre Überdachung ausgelegt ist.
3. Sommerlicher Hitzeschutz: Aufdachmarkise, Unterglasmarkise oder Lamellendach?
In der Kölner Bucht zählen Sommertage mit über 30 °C im Schatten längst zum Alltag. Ein Glasdach ohne Beschattung wirkt an Süd- und Westfassaden wie ein Brennglas – und wenn später noch seitliche Glasschiebewände (Kaltwintergarten) geschlossen werden, steigen die Temperaturen im Inneren auf über 45 °C.
Physikalisch unterscheiden sich die beiden Markisenbauarten deutlich: Eine Aufdachmarkise (Überglasmarkise) sitzt außen über dem Glasdach und reflektiert die Sonnenstrahlung, bevor sie durch die Glasscheibe dringt (bester Hitzeschutz, notwendig vor allem beim Kalt- und Wohnwintergarten). Eine Unterglasmarkise (Unterdachmarkise) hängt dagegen geschützt unter dem Glasdach: Sie kann auch bei leichtem Sommerregen oder kräftigerem Wind ausgefahren bleiben und verschmutzt kaum, lässt aber ein warmes Luftpolster zwischen Tuch und Glas entstehen, das seitlich abziehen können muss.
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Häufige Fragen
Wann brauche ich in Köln 10 mm VSG statt 8 mm VSG?
Bis etwa 3,50 m Ausladung (Tiefe) und üblichem Sparrenabstand (ca. 75–85 cm) reicht in der Kölner Schneelastzone 1 rechnerisch meist 8 mm VSG (44.2). Ab 4,00 m Tiefe, bei breiteren Glasfeldern über 90 cm oder bei Gefahr von abrutschendem Dachschnee ist 10 mm VSG (55.2) dringend zu empfehlen bzw. statisch vorgeschrieben.
Hält ein Lamellendach bei Starkregen und Schnee genauso dicht wie ein Glasdach?
Gute bioklimatische Aluminium-Lamellendächer besitzen ineinander greifende Entwässerungsrinnen in jeder Lamelle, die das Regenwasser über den Rahmen unsichtbar durch die Stützpfosten ableiten. Bei extremem Schlagregen oder gefrierendem Schnee sind sie jedoch konstruktionsbedingt nicht zu 100 % hermetisch wie eine durchgehende Glasscheibe.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- DIN 18008-2: Glas im Bauwesen – Bemessungs- und Konstruktionsregeln – Teil 2: Linienförmig gelagerte Verglasungen (Deutsches Institut für Normung (DIN) / Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt)) — https://www.dibt.de/de/wir-bieten/technische-baubestimmungen (abgerufen am 25.10.2026)
- DIN EN 1991-1-3/NA – Eurocode 1: Schneelasten und Schneelastzonenkarte Deutschland (Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt)) — https://www.dibt.de/de/service/bekanntmachungen/ (abgerufen am 25.10.2026)
- Verbraucherzentrale NRW – Hitzeschutz im Sommer: Außenliegender vs. innenliegender Sonnenschutz (Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V.) — https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/energie/energetische-sanierung/hitzeschutz-im-sommer-einfache-tipps-fuer-kuehle-raeume-50427 (abgerufen am 25.10.2026)